Seide - Silk

Seide ist ein tierisches Produkt und zeichnet sich durch einen schönen Glanz und Festigkeit aus. In Tragetuchstoffen kommt sie in reiner Form, aber hauptsächlich in Mischgeweben vor. Seide macht das Tragetuch weich und mitunter auch rutschig, je nachdem wie hoch der Seidenanteil ist und mit welchem Material sie kombiniert wurde.

Tragetücher mit Seide lassen sich meistens leicht wickeln und knoten und sind durch ihre Anschmiegsamkeit auch für recht kleine Babys sehr gut geeignet. Durch ihren kühlenden Effekt sind sie beliebt für den Sommer.

 

Seide hat sehr vielfältige Eigenschaften:

  • sehr reißfest, die stärkste bekannte Naturfaser der Welt
  • leicht und bequem
  • schmiegt sich dem Körper an
  • isoliert gut bei Kälte und Wärme
  • temperaturregulierend
  • trocknet schnell
  • allergikerfreundlich
  • angenehm auf der Haut, ist nicht kratzig
  • kann bis zu 30% seines Eigengewichtes an Wasser einlagern
  • knittert selten
  • wird in Tragetüchern gerne kombiniert mit anderen Materialien z.B. Baumwolle, Leinen, Hanf, Wolle....
  • Haspelseide ist sehr glatt und sehr fein und stark glänzend
  • Schappeseide/Florettseide ist  etwas fester und kräftiger und leicht glänzend
  • Bourette-Seide ist grob und faserig und kaum glänzend, aber hautberuhigend und entzündungshemmend, deshalb gerne in Babywäsche verarbeitet
  • aufwendig in der Pflege, da empfindlich im nassen Zustand
  • bei niedriger Temperatur waschen, nicht auswringen, milde Seife, am besten Handwäsche und liegend trocknen
  • empfindlich gegen Deo, Parfüm
  • verblassen der Farben bei Sonneneinstrahlung

 

Schon seit ca. 5000 Jahren stellen die Menschen aus den Kokons der Seidenraupen die kostbare Seidenfaser her. Die Seidenraupe ist die Larve eines Schmetterlings, des Seidenspinners, der ursprünglich in China beheimatet war. Die Schmetterlingsart hat Einfluss auf die Seidenart, so gibt es z.B. den Maulbeerspinner (Bombyx mori), den Eichenseidenspinner, den Atlasspinner, den Mugaseidenspinner (Antheraea assam) usw. Die Raupe spinnt den Seidenfaden mithilfe einer speziellen Drüse und wickelt ihn als Endlosfaden in bis zu 300.000 Windungen um sich herum. Im Verarbeitungsprozess muss der Faden erst einmal vom Seidenleim/Seidenbast getrennt werden und kann dann weiter veredelt werden. Für 250g Seidenfaden werden ca. 3000 Kokons benötigt.

 

Seide ist aber noch lange nicht gleich Seide. Die Qualität hängt sehr stark von der Seidenart, dem Spinnverfahren und den Webarten ab.

(die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

 

1. Seidenart:

  • Zuchtseide stammt von Seidenspinnern, die man domestiziert hat. Der Maulbeerspinner gehört zu diesen Arten. Er ernährt sich ausschließlich von den Blättern des Maulbeerbaumes. Zur Seidengewinnung müssen die Kokons kurz vor dem Schlüpfen der Schmetterlinge mit heißem Wasser oder Dampf behandelt werden, damit der Seidenfaden beim Abwickeln unbeschädigt bleibt. Dabei sterben die Schmetterlinge, manchmal werden die getöteten Tiere zu Nahrungsmitteln oder Tierfutter verarbeitet, aber vielfach werden sie auch einfach nur entsorgt. Da die Zuchtseide aus einem sehr langen unbeschädigten Faden besteht, ist sie sehr fein und hochwertig. Es gibt mittlerweile Bestrebungen, gewaltfreie Seide herzustellen, bei der die Tiere nicht zu Schaden kommen. Dies ist allerdings recht aufwendig und deshalb auch recht teuer.

 

  • Wildseide stammt von Seidenspinnern, die bislang nicht domestiziert werden konnten. Die Seide von wildlebenden Seidenspinnern, wie z.B. der Eichen- oder Wildseidenspinner, werden aus dem Kokon bereits geschlüpfter Tiere gewonnen. Die Tiere hinterlassen beim Schlüpfen aus dem Kokon allerdings ein Loch, wodurch der Faden in mehrere Teile zerreißt und deshalb nicht in einem Stück abgewickelt werden kann. Die Wildseide muss daher anders verarbeitet werden als die Zuchtseide, der Faden ist dicker und unregelmäßiger.

 

  • Eis-Seide/Ice Silk ist übrigens keine Naturseide sondern eine Kunstseide, die zu 100% aus unterschiedlichen Kunstfasern hergestellt wird.

 

2. Verschiedene Spinnverfahren:

  • Haspelseide ist die hochwertigste Seide, da sie in einem Zug aus dem Kokon des Maulbeerspinners gewonnen wird. Der Kokon wird dazu auf eine spezielle Vorrichtung gespannt und vorsichtig abgewickelt. Dieser Vorgang nennt sich haspeln. Da Haspelseide nicht mehr versponnen werden muss, hat er eine besonders glatte und feine Oberfläche, die ihr einen besonderen Glanz verleiht.

 

  • Schappeseide oder Chappe-Seide oder Florettseide ist eine Faser, die aus den Abfällen aus der Haspelseide-Herstellung hergestellt wird. Dazu gehören die Fäden, die die Raupe zur Befestigung an den Kokon wickelt (auch Wattseide genannt), und die äußeren unregelmäßig gesponnen Schichten (Florett) des Kokons (Flockseide),  besteht. Sie besteht aus kurzen Fasern und ist weich und noch leicht glänzend.

 

  • Bourette-Seide wird aus den Produktionsresten der Haspelseide (also der Maulbeerseide) gewonnen. Sie besteht aus kurzen Fasern, die von Knötchen durchsetzt sind, welche sich auch bei der Verarbeitung nicht ganz auflösen. Aus diesem Grund und weil sie sich nicht komplett von Seidenleim befreien lässt, hat sie eine grobe, noppige Struktur und einen typischen Geruch, der meist auch beim Waschen nicht ganz verschwindet. Bourette-Seide ist nicht so glänzend und so glatt wie andere Seiden, hat aber hautberuhigende und entzündungshemmende Wirkung durch den Anteil an Seidenleim und wird deshalb gerne für Babywindeln, Stilleinlagen oder Babydecken verwendet.


3. Die Webart bestimmt die spätere Verwendung des Seidenstoffes. Hier einige Beispiele:

  • Chiffon – schleierartig, zart und durchsichtig z.B. für Schleier, Schals, zarte Bekleidung...
  • Satin – Oberseite glatt und glänzend, Unterseite matt und samtig z.B. für Abendkleidung, Bettwäsche, Dessous....
  • Organza – recht durchsichtig und leicht z.B. für Schleier, Unterröcke...
  • Ponge – robuste Taftbindung, glatte, glänzende Oberfläche, kann viel Farbe aufnehmen z.B. für Schals, Kleidung, Tücher...
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